Erinnerungen Teilen
Tauchen Sie ein in die Erlebnisse von Franz Nefischer und gewinnen Sie einen Einblick in den Alltag und die Herausforderungen des AUSBATT-Einsatzes auf den Golan Höhen 1974.
OStWm aD Franz Nefischer war nach seinem Einsatz auf den Golan Höhen insgesamt 12 Jahre aktiv beim ÖBH bevor er sich selbständig machte. Er kehrte den ÖBH allerdings nie den Rücken. Neben dem Aufbau seines eigenen Unternehmens unterrichtete er bis zu seiner Pensionierung an der Bundesfachschule für Flugtechnik in Langenlebarn.
Sein großes Steckenpferd seit Kindheitstagen ist der Gesang. Dieses YouTube Video führt zu einem der Höhepunkte seiner Gesangskarriere nach Japan. https://youtu.be/ajBLB7rIulo?feature=shared
Ein kurzer Lebenslauf in seinen eigenen Worten erscheint in Kürze.
Franz Nefischer war Teil der sogenannten "Reace Party", also einer der 32 Kameraden die von Kairo kommend 1974 mit einer kanadischen Maschine, Canadien Dash 6, als Vorauskommando in Damaskus landenten. Er ist also ein Zeitzeuge der 1. Stunde des UNDOF AUSBATT.
Das Tagebuch des Franz Nefischer
Meine UN Zeit Mai 1974-Nov 1974
Durch unseren, weit über alle Grenzen bekannten, 2.Vizepräsidenten der Austrian Peacekeeper,
Loitschy wurde ich auf die HP von Christian Hauser UNDOF- Ausbatt.at aufmerksam gemacht.Nach
dem Besuch dieser Seite war für mich klar, her mit meinen alten Fotos, diese einscannen und an
Christian zur weiteren Verwendung weiterleiten. Viele alte unvergessliche Erinnerungen kamen wieder
hoch und auch ein Tagebuch aus den ersten Wochen habe ich wieder gefunden. Nun hier ein paar
Zeilen.
Im Juni 1973 begann für mich der ' Ernst des Lebens', das Vaterland rief, und so fand ich mich in
Hörsching in der 4. Ausbildungskompanie wieder.
Damals schon nicht ganz in das System passend, war ich gespannt was da auf mich zu kommt. Ich hatte
damals schon einen Militärluftfahrzeug -Wartschein für den seinerzeit verwendeten AB206
auch als Jet Ranger bekannt.
Nun, das half mir zu diesem Zeitpunkt gar nichts. Also kam ich nach der Grundausbildung nach
Langenlebarn zur Jet Ranger Staffel als Techniker. Es begann eine unbeschwerte Zeit, ganz nach
meinen Sinn, viel herumkommen, viel sehen, und so richtig militärisch ging es da nicht wirklich zu, wir
waren ja Flieger oder wie man sagte bei den Luftstreitkräften.
Damals gab es aber schon im Bekanntenkreis Leute die bereits in Ägypten bei der UN Truppe waren.
Jung und natürlich sehr neugierig aber auch finanziell auf der mageren Seite des Lebens, hörte man ja
auch von den Verdienstmöglichkeiten. Ich wollte damals schon die Welt sehen, aber es fehlte am
Kleingeld.
Es gab ja damals irgendwie eine Aufbruchsstimmung, die Israelis hatten ihren Krieg gewonnen, es gab
Andeutungen für ein friedliches Weltbild und irgendwie wollte man ja da dabei sein.
Daher gab es nur einen Weg das zu erreichen, auf zur UNO!
Dies wurde immer häufiger im Kameradenkreis diskutiert und nach einigen 'Inspirations Achterln'
ging es irgendwann Ende 1973 zum DfUO um eine Freiwilligenmeldung abzugeben. Damals waren wir
noch 4 Kameraden die da mitmachen wollten.
„Wos woits“ ? fragte uns der Vzlt. „Is euch net guat?““ O ja, aber wir wollen zur UNO“ die Antwort.
„ Kommt morgen wieder , i muaß do erst des Formular dazu finden.“
Also irgendwann war es dann soweit und der Einberufungsbefehl zum UN Heimatstab in der Maresi
Kaserne (Maria - Theresia - Kaserne) kam, da waren wir nur noch 2.
Nach der Zeremonie in der Maresikaserne und dann auch noch HSP Stammersdorf ( Obst Arzt Dr.
Wustinger)stand der Abflugtermin mit 21 Mai1974 fest.
Jetzt gab es noch viele Verabschiedungen zu absolvieren, Erklärungen an die Eltern und andere
besorgte Personen abzugeben, der Damenwelt meine Abwesenheit von 6 Monaten zu erläutern auch
das wurde erledigt.
Am 21.Mai war es dann soweit ,Abflug mit DC 9 der Friendly Airline von LOWW auf nach Kairo.
Von da nach Suez in eine ehemalige Arbeitersiedlung. Na ja war nicht sehr beeindruckend, sehr viel
Sand da, viele Flugzeugwracks. Transportiert wurden wir auf polnischen Lkw's bei unserem ging der
Sprit aus.Mit einem Wort, ich war in einer anderen Welt angekommen.
Am Dienstag 23.5.1974 große Bataillons, Übergabe, Obstlt Burgstaller war jetzt Chef. Nachmittag das erste mal im Meer baden.
Am Samstag den 25.5.1974 kam ich ins Shams- Camp als Wache, aber auch Gelegenheit Cairo zu
sehen. Es gibt die ersten Gerüchte von den Golan Höhen, nimmt aber keiner ernst.
Am Donnerstag 30.5.1974 wieder zurück in Suez. Da erfuhr ich, dass ich bei der Recce Party eingeteilt
bin. Was bedeutet das? Es ist das Vorauskommando auf die Golanhöhen, besteht aus 29 Mann. Daher
großes Packen, ständige Abmarschbereitschaft herstellen, na endlich tut sich was. Ab nun Leben aus
dem Troßsack, aber keiner weiß wann es los geht.
Die ersten Einweisungen fanden statt, die Kriegsbeuteschau in Suez wurde besichtigt, große
Ungewissheit was mit der Verlegung auf den Golan los ist.
Gesundheitlich geht es mir nicht sehr gut Magenkrämpfe usw.
Am Montag 3.Juni 0430 Alarm für die Recce Party, es ist soweit. Also fertig machen, aufsitzen ,warten.
Oder doch nicht? Befehl absitzen warten. Wieder aufsitzen, Segnung durch unseren Mil Pfarrer,
Abfahrt 0730 nach Kairo Shams Camp. Gutes Essen bei den Polen. Info von Obstlt. Burgstaller, dass
wir um ca. 1300-1400 abfliegen werden. Tatsächlich flogen wir dann um ca.1515 mit einer Buffalo
DHC5 Richtung Westen ab. Über Alexandria entlang der zypriotischen Küste südlich Beirut nach
Damaskus.
Zu unserer großen Überraschung wurden wir sehr freundlich empfangen. Sogar Fernsehkameras usw.
waren da.
Fruchtsäfte wurden angeboten, freundliche Kommunikation mit syr.Offizieren, die englisch .manche
sogar deutsch sprachen. 2 Großraumbusse nahmen uns auf, vorne saßen 2 syr Mil Polizisten und auf
der letzten Bank noch einmal 2 Syr. Mil Polizisten.
Es war eine lange Fahrt Richtung Süden in die Finsternis. Irgendwann dann ein längerer Halt, alles
aussteigen, keiner von uns wusste, wo wir waren. Olt.Deisenberger war unser Zugskommandant.
Dann kam Vzlt Appel (ich glaube das war sein Name) und sagte „Leute,es gibt da ein Gebäude mit
Doppelstockbetten frisch bezogen und sogar Moskitonetzen. Das nahm keiner von uns ernst, aber es
war tatsächlich so.
Der erste Eindruck war, hier ist alles etwas straffer organisiert als in Ägypten.
Ich hatte natürlich das „Glück“, die erste Wache zu übernehmen und lange nach Mitternacht wurde ich
abgelöst.
Damals war ich noch unter den Rauchern und so ging ich vor die Tür um noch eine Abschlusszigarette
zu rauchen. Als ich mich von der Tür wegdrehte, stand ein syrischer Wachsoldat , bewaffnet vor mir.
Ich musste kurz tief durchatmen, was tun? Ich griff also sehr vorsichtig und langsam in meine Tasche
um Zigaretten heraus zu holen und meinem Gegenüber eine anzubieten.
Er tat genau das gleiche, so tauschten wir die Tschick, rauchten gemeinsam und gingen dann unsere
Wege.
Am nächsten Morgen 4.6. sahen wir dann alles vor uns. Wir waren in Kanaker einer syr.Kaserne, so
wurde uns gesagt, untergebracht. Damaskus ist ca. 40Km entfernt.
Mittags war UN Generalsekretär Dr. Waldheim hier. Er hat uns als Motivation gleich 2 Kühltruhen Bier
mitgebracht. Siehe auch die Fotos.
Landschaftlich ist hier die Gegend viel abwechslungsreicher, als in Suez/Kairo viel grüner aber auch
viel braun und eher etwas hügeliger. Der Boden sieht rötlich, aber halt sehr trocken aus. Über allem
thront der Hermon.
Für ein Frontgebiet ist es ausgesprochen ruhig. Die syr. Soldaten sind sehr freundlich aber reserviert.
Beim Wäsche waschen und Haare waschen wurden wir von den Syrern sehr bestaunt.
Nachmittag ist alles sehr ruhig. Es gibt hier lästige kleine Mücken. Heute vor einem Jahr begann ich
meinen Präsenzdienst.
Am Dienstag 5.6. kam die 1. und die Stabskompanie an.
Die nächsten Tage verliefen abwechslungsreich, wir mussten aus unserer festen Unterkunft raus, viele
Zelte aufbauen. Es gab eine Begrüßungsparty von den Syrern. Die erste Erfahrung mit der Compo
Ration gemacht, Die ersten Lagebesprechungen finden statt. Wir in der untersten Ebene erfuhren aber sehr wenig.
Am Freitag, 7.6 ging es dann los. Tagwache 0500, Abfahrt 0800 , wir werden 20 Tage zwischen den
Israelis und den Syrern unsere Positionen beziehen. In meinen Erinnerungen haben wir damals eine
Nacht im nirgendwo in einem Zelt, hergestellt aus dem sog. Zeltblatt des ÖBH ,verbracht.
Die Details hat ja Hptm Klinger hervorragend beschrieben.
Am 8.6. begann das eigentliche einfließen in die Zone. Wir wurden Gruppe für Gruppe auf verschieden
Positionen aufgeteilt. Unser Grp.Kdt war Stwm.Bertl und wir übernahmen die Pos37 von einem
Norwegischen Offizier, diese Pos war bunkerartig angelegt. Er war während des Angriffs der Syrer
„mittendrin“. Er erzählte, dass er damals von syrischen Panzern umringt war, den Aufmarschplan
hatten sie genau eingehalten, aber dass man auch einmal nachtanken muss war nicht vorgesehen. Gibt
es noch jemand der sich daran erinnern kann?
Auffällig war auch , dass die Israelis offensichtlich möglichst viel zerstörten, es gab laufend
Explosionen, sie sprengten einfach alles. Natürlich gab es darüber auch Meldungen aber die gingen
wahrscheinlich bis Damaskus ins HQ und dann in den Papierkorb. Da kommen einem die Bilder aus
Gaza sehr bekannt vor.
Am 10.6. Verlegung auf Pos 33 Zeltaufbau und „Beobachten und Melden“ laufend Sprengungen und
Zerstörungen durch die Israelis, warum eigentlich? Ich glaube außer uns war das niemandem bekannt.
Es gab diese lästigen kleinen Mücken die uns fast zum Wahnsinn trieben. Abhilfe war, den Kopf soweit
wie möglich verhüllen. Jetzt wurde uns auch klar, warum die Leute hier alle Tücher am Kopf trugen.
Eine unserer Aufgaben war, die Bevölkerung an der Rückkehr in ihre Dörfer aufzuhalten, es gab da
einen Termin, ab wann das möglich war. Die Leute verstanden das aber nicht und wollten halt einfach
in ihre Dörfer zurück. Da gab es einige Probleme, die aber in verschiedenen anderen Berichten
dargestellt wurden.
Es ging jetzt ziemlich rund, wir waren während dieser Entflechtungsphase immer nur einige Tage auf
einer Position und dann ging es wieder weiter. Rückverlegung nach Kanaker.
Am 18.6 Beginn der Phase 2
Alles Verladen und Abfahrt von Kanaker zur Pos31 bei Jabah (od Java) Da gab es die ersten Kontakte
mit den Israelis die noch immer alles in die Luft sprengten. Die Kontakte mit den Israelis waren sehr
frostig.
Wir bezogen ein altes Schulgebäude von den Israelis in einem total versauten Zustand. In den Räumen
machten sie offenes Feuer. Meine Großeltern haben mir das von den russischen Besatzungstruppen
erzählt.
Auch hier hatten wir, wie auf allen anderen Positionen , Probleme mit der Bevölkerung, sie wollten halt
alle schon in ihre Häuser zurück. Aber darüber gibt es ja genug Berichte von anderer Kameraden.
Neben unserer Pos. war ein Stützpunkt der syr.MP Im Gegensatz zu den Isis war ein Kontakt rasch
hergestellt . Sie haben ihren Tee getrunken, wir auch, halt in unserer Version d.h. mit „Schuss,“ haben
dann getauscht, hat den syr. Kameraden gut geschmeckt. Als wir dann fragten, wie das denn ist mit
Alkohol und so, haben wir erfahren, „in der Nacht ist es finster, da sieht Allah nicht alles“ ja auch gut,
wir kamen gut mit ihnen zurecht.
Wir lernten da auch den Begriff“schweija ,schweija“ ,(ich weiß nicht, wie das wirklich geschrieben
wird), uns wurde gesagt es bedeutet soviel wie „langsam, langsam“ oder auch nur net hudeln.
Nach wie vor schon viele Zivilisten im Ort, wir mussten sie halt der syr. MP übergeben.
Rund um uns brennt das Land,alles von den Isis verursacht.
Wir sind jetzt schon sehr lange von eine ordentlichen Waschgelegenheit weg, man fühlt sich nicht mehr
ganz wohl.
24.6. Pos31
Ab heute dürfen die Leute in ihre Häuser zurück.
Wir mussten unsere Zelte wieder einmal abbrechen und eine neue Position beziehen Pos 32.
25.6.
Ein trauriger Tag wir erfuhren von dem tragischen Unfall unserer Kameraden auf dem Weg zum
Hermon Gipfel.
Gedrückte Stimmung unter uns, keiner weiß was geschehen ist. Abends die österreichischen
Nachrichten gehört, ziemlich verworrene Information.
Die Rückkehr der Zivilbevölkerung hat jetzt voll eingesetzt, überladen LKW's Ziegen usw.
Gesundheitlich geht es nicht besonders, dauernd Durchfall. Wir konnten in diesen Tagen beobachten
wie die Israelis die Stadt Quneitra systematisch zerstörten. Natürlich haben wir das in unseren Reports
geschrieben, aber ich glaube diese Reports sind maximal bis nach Damaskus in das HQ gekommen und
dann in die Rundablage. (Papierkorb) Die breite Öffentlichkeit hat davon ,so glaube, ich nichts
erfahren.
29.6.
Übergabe unserer Pos an die Ablöse. Wir wurden zurück ins Camp Kanaker gebracht, da kam
dann die Überraschung, umziehen und Nachmittags Abfahrt nach Damaskus.
Im Hotel“Orient Palace“ , dort sofort in die Badewanne, eine so dicke Schmutzschicht habe ich nie
mehr gesehen. Dann ging es in den Basar. Dort sprechen einige Leute sogar Deutsch. Alles etwas teurer
als in Ägypten. Dann einmal ordentlich gegessen. Abschluss in einem Nachtclub.
30.6
Heute die Omajjaden Mosche besichtigt, sehr beeindruckend. Bei der Stadtbesichtigung bemerkten wir
eine richtige „Branntweinstube“ , wie es sie auch damals bei uns gab. Wir waren auch in einem franz.
Restaurant ausgezeichnet essen, ob es das heute noch gibt?
2.7.
Abfahrt nach Tiberias. Die Fahrt durch Quneitra war schockierend, die Israelis haben wirklich alles
zerstört. Kaum Zivilbevölkerung zu sehen. (Wenn man heute die Bilder aus Gaza sieht, kommen
Erinnerungen hoch)
Unterkunft im Hotel Eden war mittelmäßig.
Zu dieser Zeit lief gerade die Fußball WM 74. Die meisten Kameraden saßen dann vor der Klotze.
Heinz, Peter, Erwin und ich , waren uns schnell einig , dass wir unsere Zeit sinnvoller verbringen
werden. So organisierten wir uns einen Leihwagen , einen himmelblauen Peugeot 404. Wir fuhren dann
über Nazareth nach Haifa. In Nazareth besuchten wir die Verkündigungskirche, damals ziemlich neu,
ich glaube sie war da noch gar nicht fertig. Nachdem wir ja im heiligen Land waren, aber halt nicht
sehr bibelfest , fragten wir den Priester, wo denn hier die Geburtsstätte von Jesus sei. Wir sahen in der
Reaktion des Priesters ,dass das wohl nicht die klügste Frage war, und zogen uns schnell zurück.
Am nächsten Tag ging es auf nach Jerusalem, aufregend . Beim Besuch der Klagemauer wurden wir
aufgefordert Eintritt zu bezahlen. Wir waren in Uniform und so war meine Antwort „we pay nothing
„ und schon ging es weiter. Da standen wir also an diesem historischen Platz, allerdings kam uns etwas
komisch vor. Irgendwie hatten wir ein eigenartiges Gefühl. Nach einigen Momenten und kurzer
Absprache, war auch klar warum, wir standen in der Frauenabteilung, also Rückzug auf die andere
Seite.
Beim Besuch der al Aqsa Moschee, was damals ja noch problemlos möglich war , hatten wir nur Angst
um unsere Stiefel.
Natürlich waren wir auch in der Via Dolorosa. Damals noch verwundert über die vielen Basarstände,
hatten wir uns natürlich komplett verfranzt. Wir steckten unsere Köpfe über die Touristenkarte
zusammen, das brachte uns aber nicht weiter. Diese Szene musste ein junger Palästinenser beobachtet
haben. Er kam freundlich auf uns zu und fragte ob er uns helfen könne. War das peinlich ,als Soldat in
Uniform, aber es war unsere Rettung.
Als wir dann vor der Abfahrt noch ein gemütliches Abschieds Bier tranken, gab es noch ein eher
unerfreuliches Gespräch mit einem israelischen Soldaten. Darauf will ich aber nicht näher eingehen.
Es ging dann via Totes Meer und Jericho wieder zurück nach Tiberias. Bei der Rückfahrt nach Syrien
gab es noch einen kurzen Aufenthalt am See Tiberias. Es war schon beeindruckend diese historischen
Plätze zu besuchen.
5.7.1974
Zurück auf die Pos 30, Heinz und ich bezogen die Küche. Das Stromaggregat macht Probleme, aber
die sind lösbar. Es gibt hier „Monstergelsen“, unglaublich. Heute bekamen wir frisches Fleisch, haben
ein Gulasch daraus gemacht.
Die nächsten Tage verliefen sehr ruhig, außer den Routinetätigkeiten wenig Aufregung, im Vergleich zu
den ersten Wochen. Wir bekommen häufig Besuch von den einheimischen Kindern, es fällt immer
etwas für sie ab. Rund um unsere Pos. werden jetzt die „vergessenen“ Minen gesprengt.
Visite von Obst Phillip, alle waren sehr aufgeregt.
11.7.1974
Gestern war noch Gigacher da, er hat,so hatten wir den Eindruck, keine Ahnung wie es auf den
Positions wirklich zugeht.
Wechsel auf die Pos 37
Einige Kameraden haben gesundheitliche Probleme, daher gibt es viel Wache zu schieben. Für morgen
ist Inventur angesagt, es geht angeblich um die Kontrolle von Schwarzmunition, da wir ja jede Menge
von den Israelis hatten. Wir haben natürlich unser Vorbereitungen getroffen.
12.7.1974
In der Früh die restliche Leuchtspur Muni in unserer Abfallgrube entsorgt. Nach einiger Zeit ging das
Ganze dann los, es gab einen kleinen Flächenbrand und auch unsere Funkantenne musste daran
glauben. War ein tolles Schauspiel. Nachmittags dann die Kontrolle, verlief aber ohne größerer
Probleme.
20.7.197
Verlegung auf die Pos 33
Leider habe ich da aufgehört Tagebuch zu schreiben. Aber einige Erinnerungen sind ja noch da.
Es begann jetzt die Zeit wo man sich offensichtlich Gedanken um unsere Sicherheit machte. So kam
eines Tages der Befehl entsprechend Vorkehrungen zu treffen. Das bedeutete im Klartext wir mussten
uns einen Bunker schaffen. Das war eine doch anstrengende Tätigkeit. Wir arbeiteten uns durch den
steinigen Boden in die Tiefe. Als Abdeckung hatten wir eine LKW Plattform eines LKW Wracks im
Visier und nach einigen Mühen schafften wir auch das. Siehe Fotos
Am 9.August 1974 wurde das Flugzeug, eine DHC5, das uns damals von Kairo nach Damaskus brachte
im Anflug auf Damaskus abgeschossen.
Die Wrackteile lagerten dann lange im Camp Kanaker, es war ein beklemmender Anblick. Wir haben
damals nicht erfahren, warum das UN Versorgungsflugzeug abgeschossen wurde. Siehe Fotos
Da unsere Recreation Offizier nichts zustande brachte, verbrachte ich meinen Urlaub, wie die meisten
Kameraden, auch in der Heimat. War ein interessanter Flug mit der Iraqi Airline eine Boing 707 nach
VIE.
Ich glaube in der Zeit wurde ich zum Korporal befördert. Daher meine Gedanken, wie es dann wieder
daheim weitergehen wird. Da ich damals weiterhin bei meiner Staffel als HS-Techniker bleiben wollte,
wurde mir klar, dass ich dafür auch was tun muss. Der nächste Dienstgrad war bekanntlich Zugsführer,
aber dieser war ohne Chargenkurs nicht erreichbar. Ich wollte aber keine Zeit verlieren, daher meine
Frage an unseren Dienstführenden, wie das gehen könnte. Offensichtlich war das nicht einfach und
auch nicht wirklich vorgesehen, aber ich war einfach lästig. Und so kam es dann im Oktober zum 1.
Chargenkurs auf den Golanhöhen. (Siehe Fotos) Unser Zugs Kdt.war der damals schon der viel
bekannte Vzlt Zofal. Ein unglaublicher Mensch, er wurde für mich ein großes Vorbild. Es gab viel zu
lernen aber auch viele Erlebnisse. Ich war als MG 1 eingeteilt, es gab einen Marsch auf den Hermon.
Bedrückend die Unfallstelle unserer Kameraden. Beeindruckend und unvergesslich das
Zuggefechtsschießen natürlich mit scharfer Munition.
Nach bestandener Abschlussprüfung gab es dann die unvergessliche Fahrt nach Beirut.
Wir besuchten auf dem Weg dorthin auch Baalbek wir waren sehr beeindruckt. Mein erster Sprung ins
Mittelmeer war am 26.Okt.1974
Unvorstellbar die Fotos von Beirut aus der heutigen Zeit.
Es ging dann wieder zurück auf die Pos. Dort waren schon die Vorbereitungen für den Winter im
Gange. Es mussten Fundamente betoniert werden, darauf kamen dann Fertigteilhäuser. Siehe Fotos
Im November1974 war dann meine UN Zeit zu Ende. Es war ein Abschied mit gemischten Gefühlen,
gerne hätte ich mehr von diesem schönen Land erfahren, aber es war halt noch nicht die richtige Zeit
dafür. Diese 6 Monate haben meine Einstellung zu vielen Vorgängen der Weltgeschichte in dieser
Region beeinflusst. Zum Abschluss sage ich dafür „shukran“
Wie die vielen Berichte ja erzählen, muss es für unsere Nachfolger viel zu sehen und erleben gegeben
haben.
Ich war dann, mit einer Unterbrechung noch bis 1984 als Mil.Luftfahrzeugwart I Klasse in der 3.
Staffel, dort wurde der OH 58B auch als Kiowa bekannt, ein leichter Hubschrauber, aber auch mit
Bewaffnung tätig. Da sich ein gewisser Stillstand im flugtechnischem Bereich abzeichnete, gab es mit
einigen Berufskollegen die Überlegungen unsere flugtechnischen Erfahrungen auch im Zivilen Bereich
anzuwenden .
Wir machten daher auch die notwendigen Zivilwartscheine I. Klasse und gründeten am Flugplatz
Krems Gneixendorf einen Luftfahrzeug Wartungsbetrieb. Ab 1994 wurde dieser Betrieb mit meinem
Partner und mir als Geschäftsführer geführt. In dieser Zeit erwarb ich auch den Privatpilotenschein.
2006 wurde der Betrieb verkauft.
Parallel dazu kehrte ich ab 1984 in die Bundesfachschule, diesmal als Lehrer, zurück. Die Aufgabe,
Wissen und Erfahrung an junge Menschen weiter zu geben war sehr schön.
Seit 2017 freue ich mich über ein ruhiges Leben als Pensionist. Allerdings ,so ganz ruhig geht es doch
nicht, als Hobbysänger habe ich noch immer genug Beschäftigung. Ein Höhepunkt war der Auftritt in
Osaka, Japan zusammen mit 10000 Japaner, wo wir Beethovens 9. sangen und vier mal im goldenen
Saal des Musikvereins.
Es wäre einfach zu schön wenn „....alle Menschen werden Brüder“ Realität würde.
Ich bedanke mich bei Kamerad Christian Hauser für die Gestaltung dieser HP.
Sie gibt uns die Gelegenheit, unsere Erlebnisse zu bewahren und weiter zu geben.
Camp Kanaker
Camp Kanaker war eine teils noch von der syrischen Armee genutzte Kaserne. Es wurde eine kleine Zeltstadt errichtet. Dies sollte nur eine Übergangslösung sein, da es sich bald herausstellte, dass sowohl der Platz zu klein war und auch der Standort logistisch nicht geeignet war.
Blick von Camp Kanaker auf das Hermon Massiv
Erstmals im neuen Camp Faouar
Chargen - Kurs im Camp
Zum ersten Mal wurde bei einem Auslandseinsatz auch ein Chargen Kurs abgehalten. Kommandant war eine Legende. Vzlt Werner Zofal.
Sollte sich jemand der Teilnehmer wiedererkennen würde sich der Franz sehr freuen, wenn sich derjenige meldet. Er würde sich über ein Wiedersehen nach so langer Zeit sehr freuen. Bitte per Kontaktformular melden und ich werde die Verbindung herstellen.
In der Zone
Das Leben und der Dienst in der Zone bestand aus Improvisation da es keinerlei Infrastruktur gab. Das hieß, Leben und schlafen in Zelten und mit viel harter Arbeit den Ausbau der Stützpunkte voranzutreiben. Der Winter wird schneller da sein als einem lieb ist.
Stellungs- und Bunkerbau zum Schutz des eigenen Lebens
Nach dem Stellungs- und Bunkerbau war der Bau einer festen Unterkunft für den Winter das vordringlichste Projekt
Begegnungen
Unten: Der syrische Verbindungsoffizier war allgegenwärtig
Unten: Viele Straßen waren durch den Krieg zerstört. Sie mussten wieder instandgesetzt werden.
Das Heizmaterial (Dung) wurde auf den Dächern getrocknet
Auf dem Weg zum Mount Hermon
Nach dem bestandenen Chargen Kurs ging es auf eine verdiente Recreation in den Libanon
Auf dem Weg in den Libanon
Grenzübergang
Beirut - Das Paris des Orients 1974 noch bevor der Bürgerkrieg die Stadt verwüstete
Auf dem Weg nach Beirut
Skyline von Beirut
Damaskus 1974
....alles hat ein Ende