Erinnerungen des Gfr Andreas "Andy" Danner 2001/2002

Gefreiter Andreas "Andy" Danner war von November 2001 bis Mai 2002 auf Hermon Base und Hermon Süd WAPO (Wachposten). Heute lebt er in Wels und macht gerade eine Ausbildung zum Heim - Krankenpfleger. 

Mein Einsatz am Golan 2001/02

Im August 2001 absolvierte ich die dreitägige Untersuchung im Heeresspital in Wien. Die anschließende dreiwöchige Ausbildung fand vom 5. bis zum 23. November 2001 in der Standschützen-Kaserne in Innsbruck statt. Am 26. November reiste ich mit dem Zug nach Wien zum Westbahnhof, von wo aus wir per Bus nach Götzendorf gebracht wurden. Dort erfolgte am Nachmittag die Ausgabe der Uniformen inklusive des blauen Baretts. Am Abend fuhr ich gemeinsam mit einem Wachtmeister nach Wien.

Am Dienstag, den 27. November 2001, starteten wir mit dem ersten Tagesflug von Wien nach Syrien. Nach der Ankunft am Flughafen Damaskus bei hohen Temperaturen erhielten wir unsere UNO-ID-Karten und fuhren anschließend mit dem Bus zum Camp Faouar. Während der Fahrt durch Damaskus lag, überraschend eine etwa 10 Zentimeter hohe Schneedecke, was laut Busfahrer nur etwa alle zehn Jahre vorkommt. Im Camp bezogen wir zunächst für eine Nacht das Haus Großglockner und erhielten eine Führung durch die Anlagen. Zudem ließ ich mir den UN-Führerschein ausstellen. Nach Bezug der jeweiligen Positionen auf dem Berg war meine Aufgabe auf Hermon Base als Wapo sowie als Inf/MG II zu erfüllen. Weihnachten und Silvester verbrachte ich im Dienst. In meiner Freizeit unternahm ich gemeinsam mit dem Wachtmeister Ausflüge, unter anderem nach Damaskus.

Am 20. Januar 2002 trat ich meinen dreiwöchigen Urlaub an. Vom 22. bis 24. Februar nahm ich an einer Exkursion nach Beirut im Libanon teil. Im Anschluss begann die sogenannte „Gopher Hole“, an der ich nicht teilnahm. Am Dienstag, den 5. März 2002, war Halbzeit meines Einsatzes. Am 30. April wechselte ich von Hermon Base nach Hermon South, da ein Kamerad sein Einsatzgebiet tauschen wollte. Am Mittwoch, den 17. April, diente ich von 07:00 bis 16:30 Uhr als Teil der Ready Reaction Group auf Position 12 anlässlich eines syrischen Feiertags, ohne dass ein Einsatz notwendig wurde.

Am 2. Mai erhielt ich einen Sonderurlaub und flog am folgenden Tag nach Wien. Die Rückreise führte über Amsterdam, wo mir ein VIP-Lounge-Gutschein zur Verfügung stand, und weiter nach Innsbruck und Linz. Am 11. Mai nahm ich am Ausbatt-Marsch teil und erhielt das Edelweiß-Abzeichen. Am 17. Mai wurde mir auf der Medal Parade die Medaille verliehen, worauf ich sehr stolz bin. Am 20. Mai musste ich medizinische Versorgung in der San-Staffel des Camps in Anspruch nehmen. Am 23. Mai feierten wir den UN-Feiertag, bevor ich am 24. Mai ins Shami Hospital in Damaskus aufgenommen wurde, in dem ich bis zum 31. Mai blieb. Nach meiner Rückkehr ins Camp erhielt ich am 1. Juni die Beförderung zum Gefreiten.

Der Austausch von Personal begann am 4. Juni; neue Kameraden, sogenannte „Geckos“, trafen ein. Mit ihnen gestaltete sich die Zusammenarbeit während der Einschulung und Patrouillen sehr angenehm. Leider konnte ich meinen Dienst nicht verlängern, da der gewünschte Posten bereits vergeben war. Drei Tage vor meinem Heimflug stellte mein Kamerad fest, ebenfalls abreisen zu wollen; ein Wechsel war jedoch nicht mehr möglich.

Am 9. Juni absolvierte ich meinen letzten Dienst auf dem Berg, den sogenannten „Goldenen Wapo-Dienst“ (130er). Am darauffolgenden Tag verlegte ich ins Camp, wo wir am Abend in der Mens-Mess gemeinsam mit den japanischen Kameraden Abschluss feierten. Der nächste Morgen gestaltete sich entsprechend herausfordernd. Bei der Standeskontrolle trugen die meisten Sonnenbrillen. Nachuntersuchungen fanden am 13. Juni statt.

Rückblickend war dieser Auslandseinsatz eine außergewöhnlich schöne und bereichernde Erfahrung. Ich habe Kontakte zu vielen engagierten Kameraden geknüpft und werde auch einige Einheimische in guter Erinnerung behalten. Sollte es sich erneut ergeben, würde ich gerne noch einmal nach Syrien ins Camp Faouar zurückkehren.

Hermon Süd (2.330 m )

Die Crew von Hermon Süd 2001/2002

Dienst auf dem Mount Hermon war immer speziell. Besonders die Wintermonate waren besonders fordernd. 

Brauchwasser - Gewinnung im Winter bedeutet viel Schnee schaufeln und mit Tonnen in den Stützpunkt bringen

In dieses Becken wurde der Schnee gekippt und aufgetaut...

...oft genügte es einfach die Tür zu öffnen und schon hatte man Schnee im Überfluss. 

...und anschließend in den Tank gepumt. 

Alltag am Stützpunkt

Der Alltag auf einem Stützpunkt war geprägt von Routine. Nur durch Disziplin und einer genauen Planung der Abläufe wurde gewährleistet, dass der Auftrag, beobachten und melden, ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Leben in der Abgeschiedenheit auf engstem Raum war nicht immer einfach. Ein ganz wichtiger Punkt um die Motivation zu erhalten, war die Verpflegung. Ein guter Koch am Stützpunkt war schon die halbe Miete. Die "privaten" Bereiche der Soldaten haben sich im neuen Jahrtausend schon wesentlich verändert zu den Anfangsjahren. Etwas Privatsphäre war schon möglich. 

Der wichtigste Mann für die Motivation der Soldaten. Der Stützpunkt - Koch. Immer liebevoll "Cooky" genannt.

Beim Abwasch wurde abgewechselt. 

Da die Stützpunkte am Berg im Winter oft wochenlang nicht erreichbar waren, mussten die Vorratslager dementsprechend gefüllt sein. 

Die Energieversorgung wurde mit Diesel - Aggregaten sichergestellt.  

Trügerische Hütten Idylle - wochenlang eingesperrt zu sein schlägt sich auf die Psyche. 

Eine nicht alltägliche Delikatesse - Hummer mit Petersilien - Kartoffel. 

Für Training und Entspannung stand den Soldaten einen Sauna und ein Fitness-Raum zur Verfügung

Diensteinteilung, Ausbildung an der Waffe, Selbst- und Kameradenhilfe straff organisiert und Stützpunkt Ordnung- und  Reinigung waren fixe Abläufe. 

Beobachten und Melden war der Auftrag. 

Dieser Auftrag wurde 24 Stunden am Tag aufrechterhalten. Tag aus, Tag ein. Jahrzehntelang. Die WAPO Box war der Arbeitsplatz der Wachposten. Sie waren verantwortlich dafür, dass sich niemand unerlaubt dem Stützpunkt nähert und das der zugewiesene Beobachtungsabschnitt niemals aus den Augen gelassen wurde.  

Der Rundumblick von der Box. Auch Patrouillen welche unterwegs waren hielten Verbindung zur Box

Bilder der Kampffahrzeuge und Fluggeräte dienten der Identifizierung bei eventuellen Verstößen gegen das Abkommen. 

Motorisierte- bzw. Fuß- Patrouillen im schwierigen Gelände , im Winter auf Skiern gewährleisteten, dass auch Geländeabschnitte welche von den Stützpunkten nicht eingesehen wurden, ebenfalls kontrolliert wurden. Eine willkommene Abwechslung zum Dienst auf dem Stützpunkt.  

Die große Schneewechte 

5 - 8 m Schnee am Hermon war keine Seltenheit. Im Frühjahr zur Schneeschmelze hatten die Pisten- Bullys und Schneefräsen Hochbetrieb. 

Das Arnah - Tal

Dieses Tal begeisterte durch schroffes Gebirge und üppige Vegetation. Fast vergisst man, dass man in einem Kriegsgebiet ist. 

Gipfelkreuzweihe 2002

Am 26. Mai 2002 wurde das von den Soldaten errichtete Gipfelkreuz feierlich geweiht. 

Hermon Base (2.240 m)

Hermon Base war der Kommandostützpunkt der 1. Kompanie. Von hier aus wurde die 1. Kompanie geführt. 

Hermon Hotel (2.814 m)

Hermon Hotel - Der höchstgelegene ganzjährig besetzte Stützpunkt der Welt. Das Prestige - Projekt des österreichischen Kontingents. Niemand konnte sich vorstellen, dass man einen Stützpunkt in solchen Höhen ganzjährig betreiben kann. Die österreichischen Soldaten bewältigen diese Aufgabe fast 40 Jahre lang. 

Die Versorgungsgruppe im Camp Faouar

So wie jede Kompanie des AUSBATT hatte auch die 1. Kompanie eine Versorgungseinheit im Camp Faouar. 

Recreation 

Die Off Days (4 Tage im Monat) wurden genützt um Land und Leute kennenzulernen. Nordsyrien war ein beliebtes Ausflugsziel. 

Hama und seine berühmten Wasserräder

Weiter geht es nach Palmyra. Die berühmten Tempelanlagen wurden während des Bürgerkriegs vom IS weitgehend zerstört. 

Aleppo - während die Zitadelle von Aleppo weitgehend unbeschädigt blieb wurde die Altstadt während des Bürgerkrieges völlig zerstört. Ein UNESCO Weltkulturerbe - die Altstadt Aleppos einfach dem Erdboden gleichgemacht. 

Damaskus

Die Hauptstadt Syriens war in etwa 60 km von Camp Faouar entfernt und beliebtes Ausflugsziel der Soldaten. Besonders der Souk, aber auch viele andere Sehenswürdigkeiten, guten Essen und der unschlagbar orientalische Flair dieser Stadt zog jeden in seinen Bann. 

Beliebt war auch ein Besuch in einem der Dampfbäder oder einfach entspannen am Pool des Hotels. Die internationalen Hotels hatten alle gute Bars und teilweise Discos. Für Unterhaltung war also gesorgt. 

Ausflug auf die israelische Seite der Golan Höhen

Teile der Golan Höhen sind nach wie vor von Israel annektiert. Auf der Israelischen Seite kann man ein Freiluftmuseum besuchen, dass über diese Besetzung 1967 erzählt. Auf dem Weg zur A- Seite (Israel) Besuch auf den Stützpunkten der 2. Kompanie. Stützpunkt 22 war der einzige Stützpunkt der Österreicher auf der israelischen Seite.