Erinnerungen des Oberst i.R. Klaus Kopetzky

Oberst i.R. Klaus Kopetzky war von Mai bis November 1974, als junger Hauptmann, zuerst bei UNEF II und ab Anfang Juni 1974 bei UNDOF AUSBATT im Einsatz. Er war der erste Kompaniekommandant der 2. Kompanie UNDOF AUSBATT.  Er hat also die Entstehung der Mission UNDOF hautnah erlebt. Hier seine Erinnerungen. 

Zu meiner Person:

 Mein Stammverband war das PzB 10 in St.Pölten / Spratzern. Zum Zeitpunkt meiner Verwendung im Rahmen der UN war ich Kdt der 1.Kp/PzB 10. Vom 9.Mai bis 27. November war ich Kdt der 2.Kp des Ausbatt, Zunächst noch UNEF im Sinai in weiterer Folge bei UNDOF am Golan im Mittelabschnitt an der Hauptstraße von Kuneitra nach Damaskus. Nach Beendigung dieser UN-Verwendung habe ich wieder meine Funktion beim PzB 10 übernommen. Vom 6.August 76 bis 27 November 77 war ich neuerlich im UN Einsatz bei UNTSO als Beobachter im Libanon und in Ägypten. In weiterer Folge wurde ich mit 1.Jänner zum Kdt der Stabskompanie PzB 10 bestellt. Nach Absolvierung des Stabsoffizierskurs zum Major befördert übernahm ich die Funktion als S4 und StvBkdt. Wiederholt mit der Führung des Bataillon betraut wurde ich mit 1.Jänner 84 in das ArmeeKdo nach Wien versetzt und zum ObstLt befördert. Ich übernahm als 2 Offizier seit bestehen  des Bundesheeres das Hauptreferat Eisenbahntransport. Diese Funktion behielt ich bis zu meiner Pensionierung am 28. Februar 2002. In diese Zeit fielen viele große Übungen und vor allem auch internationale Transportbewegungen im Zuge der Balkankrise. Eine sehr interessante Aufgabe mit der ich immer Verbindung zu Truppe hatte.

Kopetzky Klaus, Obst.i.R.

Sinai - eingezeichnet die UN Pufferzone Stand 01/1974

Der Schlafplatz des Kompaniekommandanten. Es ist ein karges Leben in der Wüste.

Links: Lagekarte UNEF II im Mai 1974. Im Norden das GHANBATT aus Ghana. Im Süden das SENBATT aus Senegal und im Zentrum das AUSBATT. Eingezeichnet die einzelnen Beobachtungsposten und Check - Points. 

Das österreichische Camp in Suez. 

In der Pufferzone

Unten: Wasserversorgung in der Pufferzone

Der Auftrag: Truppentrennung überwachen und beobachten und melden

Aus der Sicht des Beobachtungspostens

Sonnenuntergang am Sinai

Seite an Seite mit den Bewohnern der Wüste

Anfang Juni 1974 besucht UN Generalsekretär Dr. Kurt Waldheim die UNO Truppen am Sinai. Hauptmann Kopetzky stellt die Ehrenkompanie. 

Offiziere aller Kontingente und der ägyptischen Armee beim Besuch des Generalsekretärs. 

Der Pinzgauer im Wüsteneinsatz. Er hat sich bewährt.

Überall stieß man auf die Relikte des Krieges. Abgeschossener ägyptischer T 62. Kampfpanzer russischer Bauart

Links: Treffer am Turmdrehkranz des T 62

Land und Leute in Ägypten

Am Gizeh - Plateau bei den Pyramiden

3. Juni 1974 Verlegung nach Syrien auf die Golanhöhen

Es geht runter zum See Genezareth. 

Die IDF (Israel Defense Force) zieht sich Richtung Westen zurück

Improvisation pur. Es gab keinerlei Infrastruktur eine Mulde und ein Wellblech, so sah einer der ersten behelfsmäßigen "Stützpunkte" aus. 

Besucher unseres einfachen Postens während der Truppentrennung. 

Erste Übernachtung auf der Höhe von Tiberias (Israel) im Straßengraben. Als Hauptmann Kopetzky wach wird fällt sein erster Blick auf diese herrlich blühende Distel. 

Körperpflege auch während des Mot-Marsches.

Das letzte Stück auf israelischem Gebiet. Im Hintergrund bereits die Ausläufer des Hermon Gebirges. 

Erste Posten werden bezogen während der Truppentrennung

Rechts: Eine lebende Legende. Vzlt Werner Zofal auf seinem Dienst-Esel

Rechts: Der Esel wird verladen und zu seiner "Dienststelle" gebracht

Rechts: Gruppenfoto mit syrischen Soldaten während der Truppentrennung

Oben: Syrisches Minenräumkommando mit schwerem Panzerminen-Räumgerät

Rechts: Pionier bei der Arbeit. Mit dem Metalldetektor werden Wege und Straßen gescheckt um nach den verlegten Minen zu suchen. Eine gefährliche und verantwortungsvolle Arbeit.  

Rechts: Fußball spielen in Kuneitra vor einem UNTSO Stützpunkt. Der Gegner waren die Kameraden des PERBATT (Persisches Bataillon) 

Links: Das Einsatzgebiet war völlig vermint. Im Bild kontrollierte Sprengungen von Panzerminen. 

Links: Hauptmann Kopetzky mit seiner Esel-Patrouille.

Links: Hauptmann Kopetzky vor seinem Pinzgauer UNEF 1115 mit Vollverschleierung gegen die lästigen Mücken. 

Unten: Bevor die Stützpunkte fertiggestellt waren wurden bestehende "Immobilien" kurzzeitig genutzt.

Links: Provisorische Position während der Trennungs-Phase

Links: Langsam kehren die Einheimischen in ihre Dörfer zurück. 

Links: "Tag der Fahne" im Camp Faouar

25.06.1974 Der Tag des Minenunglücks am Mount Hermon. 4 Kameraden verloren ihr Leben

Eine polnische Ehrenformation an der Gedenkstätte für die gefallenen Kameraden. 

Ehrenwache an der Gedenkstätte

Zu den Aufgaben eines Kompanie Chefs gehörte auch die Kontaktaufnahme zur Zivilbevölkerung. Anfangs der Mission betrachteten Teile der Bevölkerung die UN Soldaten als weitere Besatzer nach den Israelis. Besonders wichtig war ein gutes Verhältnis zum Klerus. Hier besucht Hauptmann Kopetzky (ganz links im Bild) mit einigen seiner Soldaten der 2. Kompanie den griechisch orthodoxen Geistlichen in Hine. 

Besuch bei der drusischen Gemeinschaft. Kein Gespräch ohne den obligatorischen Shay (Tee) oder Kaffee. 

Handwerk wie aus einer früheren Epoche. Interessiert beobachten die Soldaten den Handwerker bei seinem Tagewerk. 

Die Begrüßung durch die Kinder war immer besonders herzlich.

Krieg entmenschlicht und macht auch vor Friedhöfen keinen Halt. Links ein geschändetes Grab am Friedhof von Kuneitra. Oben das ehemalige Krankenhaus von Kuneitra, dass wir die meisten Gebäude in Kuneitra ein Opfer sinnloser Zerstörung beim Abzug der israelischen Truppen wurde. 

Stützpunkt 20. Der Kompanie-Stützpunkt der 2. Kompanie. 

Ein ehemaliger Bunker der israelischen Armee wurde zum Stützpunkt 20. Umgeben von Minenfeldern war Improvisation angesagt. 

Die gehisste UNO Flagge war der Schutzschild gegen Feindseligkeiten.  

Stützpunkt Leben. Küche, Abwasch noch sehr behelfsmäßig. Das heimische "Zipfer Urtyp" machte die oft beinahe ungenießbare "Ration" genießbar. Hauptmann Kopetzky mit seinem Kraftfahrer beim gemeinsamen Mahl.

Das erste Gipfelkreuz am höchsten, ganzjährig besetzen Stützpunkt der Welt. Mount Hermon 2.814 m. Wo später der legendäre Stützpunkt "Hermon-Hotel" errichte wurde, der  fast 40 Jahre von österreichischen Soldaten betrieben wurde, gab es 1974 nur Zelte. 

Syrien, Menschen und Orte

Für viele Soldaten war die Ankunft in Syrien ein "Kulturschock". Man glaubte sich in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt. Lehmhäuser mit Dung verputzt in denen Mensch und Tier gemeinsam lebten war, besonders am Land, Standard. Nach anfänglichem Misstrauen den neuen "Besatzern" gegenüber entwickelte sich sehr bald Vertrauen und die Menschen wurden zugänglich und waren dankbar für den Einsatz der fremden Soldaten.  

Urlaub von der Zone

Nachdem die Truppentrennung abgeschlossen war und sich die Stützpunkte langsam eingerichtet hatten und der Routinebetrieb, Patrouillen, beobachten und melden, begann, bekamen die Soldaten ihre verdienten "Off Days"  oder Urlaub die dazu genutzt wurden Land und Leute kennenzulernen. . 

Hauptmann Kopetzky nutzte seinen Urlaub und besuchte mit seiner Gattin die Stadt Maalula. Sie liegt etwa 56 km nordöstlich von Damaskus im Qalamun-Gebirge. Etwa 70 % der rund 3.000 Bewohner waren Christen. Sie sprechen heute noch die Sprache von Jesus Christus, aramäisch. Im Zuge des Bürgerkriegs wurde Maalula 2013 von Kräften der Al Nusra Front (Kdt der jetzige Staatspräsident) eingenommen und es kam zu erheblichen Zerstörungen und Kriegsverbrechen an den Christen. Ein Großteil von ihnen flüchtete und ihr Anteil nach der Befreiung durch die reguläre syrische Armee betrug nur mehr rund 30 %. 

Damaskus

Stadttore der Zitadelle von Damaskus. Die Zitadelle von Damaskus wurde bis 1984 teilweise als Gefängnis genutzt.  

Die Umayyaden-Moschee in Damaskus war ein Fixpunkt bei den Besichtigungen. Sie war ursprünglich eine christliche Kirche zu Ehren Johannes des Täufers und beherbergt heute noch einen Schrein wo angeblich sein Kopf  als Reliquie aufbewahrt wird.  

Der  Al-Hamidiyeh Souq. Der Souk mit einer Ausdehnung von fast 16 km war der Inbegriff von Orient. Das geschäftige Treiben der Händler und Handwerker, die Gerüche, unvergesslich. 

Der Kontrast zwischen der modernen Metropole und dem mittelalterähnlichen Leben auf dem Land könnte nicht größer sein. 

Das war Syrien 1974