Erinnerungen des Obstlt a.D. Prof. Mag. Alfred Klinglhuber
Tauchen Sie ein in die interessanten Berichte von Obstlt a.D. Prof. Mag. Alfred Klinglhuber, der seine Erfahrungen von den Golan Höhen teilt. Seine Einsätze, geprägt von Führungsstärke und Pioniergeist, sind ein wichtiger Teil der Geschichte des UNDOF AUSBATT.

Einblicke in den Dienst auf den Golan Höhen: Alfred Klinglhubers 1. Einsatz 1981
Alfred Klinglhuber (ganz rechts, heute) teilt seine persönlichen Erinnerungen an seinen ersten Einsatz 1981 als stv. Kommandant der 1.Kp und Kdt des Hadar Zuges später Kdt des Edelweiß-Zuges. Erleben Sie die Herausforderungen und Kameradschaft, die diesen prägenden Abschnitt seiner militärischen Laufbahn kennzeichneten. Heute ist er gerngesehener Gast und auch Vortragender des OÖ Veteranen Stammtisches. Sein Steckenpferd? Er bereist mit seiner Gattin im schon in die Jahre gekommenen Wohnmobil die Welt.
1984 sein 2. Einsatz als Duty Officer im Hauptquartier in Damaskus.
Als Duty Officer im HQ war er das Bindeglied zwischen den Bataillonen von UINDOF von UNTSO und den Vereinten Nationen in New York. Ein sehr fordernder Dienst quasi als Mädchen für alles.

Ein Meilenstein: Der erste Milizoffizier als stellvertretender Bataillonskommandant
Erfahren Sie mehr über Alfred Klinglhubers 3. Einsatz von 1987 - 1989, bei dem er als erster Milizoffizier die anspruchsvolle Position des stellvertretenden Bataillonskommandanten des AUSBATT innehatte. Seine Führung in dieser Rolle war ein Novum und setzte neue Maßstäbe im UNDOF AUSBATT.

Für alle ehemaligen Angehörigen des UNDOF AUSBATT
Diese Erinnerungen sind speziell für alle ehemaligen Angehörigen des UNDOF AUSBATT gedacht. Wir laden Sie ein, in die Vergangenheit einzutauchen, gemeinsame Erlebnisse zu reflektieren und die Kameradschaft wieder aufleben zu lassen, die diese Zeit prägte.
1. Einsatz im Jahr 1981
Als junger Oberleutnant ging Alfred Klinglhuber 1981 zu seinem 1. Einsatz auf die Golan Höhen. Er bekleidete die Funktion des stv Kompaniekommandanten der 1. Kompanie und Zugskommandant des Hadar Zuges und später Zugskommandant des Edelweiß Zuges.
Die Ausgangslage:
Das Leben auf den Stützpunkten des AUSBATT
1981, sieben Jahre nach Beginn der Mission UNDOF, war das Leben auf den Stützpunkten noch geprägt von Improvisation. Die Bedingungen waren oft herausfordernd, insbesondere auf den Stützpunkten am Mount Hermon. Hier war der Dienst eine besondere Herausforderung, da die Soldaten mit wechselnden Wetterbedingungen, eingeschränkten Ressourcen und der Notwendigkeit, sich an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen, umgehen mussten. Trotz dieser Schwierigkeiten arbeiteten die Soldaten eng zusammen, um ihre Mission erfolgreich zu erfüllen und die Stabilität in der Region zu fördern.
Als Kommandant des Hadar Zuges war der Stützpunkt 14 die neue Heimat von Oberleutnant Alfred Klinglhuber.
Auch als Offizier musste man seine Wäsche selbst waschen. Der Kerosin - Ofen im Bild explodierte und verletzter einen Soldaten schwer. Israelische Ärzte behandelten den Soldaten in einem Krankenhaus in Israel. Die Kompetenz bei Brandverletzungen war für die völlige Genesung ausschlaggebend.
Waschraum mit Dusche. Jeder Soldat hatte eine Waschschüssel. Der Abfluss war ein kleines Loch am Boden
Warmwasseraufbereitung mit Kerosin
Stützpunkt 16
Stützpunkt 16, obwohl nicht erlaubt fanden sich so manche Besucher ein. Sei es um medizinische Hilfe zu erbitten oder um Smal Talk zu treiben. "Polizisten" (Muhabarat) von der etwas oberhalb von 16 gelegenen Polizeistation mit AK 47..
Ehrenwache am Gedenkstein für den am 20.04.1977 ums Leben gekommenen Major Pellegrini.
Family Meeting bei Stützpunkt 16. Durch den Krieg getrennte Drusen Familien trafen sich beim Stützpunkt 16 und konnten durch Zurufen kommunizieren.
Einsatzübung auf Stp 16
Stützpunkt 10 war 1981 noch der KpStp der 1. Kompanie
Fußball Spiel auf dem Hubschrauberlandeplatz auf Stp 10. Der Rest der Crew als Zuschauer.
Die "Commcen" (Kommando Zentrale) auf Stp 10. Hier laufen die Fäden zusammen.
Patientenbesuch durch KpKdt und BaonKdt.
Die netten Herren der Muhabarat. Dem gefürchteten militärischen Geheimdienst. Sie gingen offiziell ganz normalen Berufen nach. In Wirklichkeit berichteten sie den syrischen Kommandanten die für diese Region zuständig waren.
Briefing auf Stp 10
Schmuggler Karawane aus dem Libanon. Sie selbst verstanden sich nicht als Schm,uggler sondern als normale Händler. Sie wurden allerdings von der Muhabarat gejagt. Vermutlich nur um ihren Anteil am Handel zu kassieren.
Links noch gemtütlich beim "Chai" (Bildmitte) und plötzlich Schafhirte. Die Muhabarat waren sehr einfallsreich um sich unbehelligt in der Zone zu bewegen um die A-Seite auszuspionieren.
Das Aushängeschild des AUSBATT war immer der Edelweißzug
Die ganzjährig besetzten Stützpunkte in Höhenlagen über 2.000 m, wie Hermon Hotel auf 2.814 m, waren alles andere als alltäglich. Für die Besatzungen der Stützpunkte Hermon Base, Hermon Süd und Hermon Hotel, die zusammen mit Stützpunkt 12 den Edelweiß Zug bildeten, stellte dies eine immense Herausforderung dar. Die extremen klimatischen Bedingungen waren dabei nur ein Teil des Problems; die ständige Flut von Besuchern, die diese Stützpunkte erkunden wollten, stellte eine zusätzliche Belastung dar. Besonders im Sommer, als die "Touristenströme" nicht abreißen wollten, sehnte sich so mancher Soldat nach der Ruhe des Winters. Trotz der damit verbundenen Isolation und der Wochen, in denen sie unerreichbar waren, war die Vorstellung von Stille und Abgeschiedenheit verlockend.
Dienstaufsicht am Berg. Kompaniekommandant Hauptmann Fritsch und Oberleutnant Alfred Klinglhuber inspizieren die Bergstützpunkte.
Wenn irgendwie möglich wurden die Stützpunkte am Berg mit dem Panzer versorgt.........
Auch die Pisten Bully wurden für die Versorgung herangezogen.
Der polnische BaosKdt zu Besuch am Berg.
Weihnachtsgeschenke aus der Heimat. Der junge Mann in der Mitte ist der spätere Verteidigungsminister der Übergangsregierung General Starlinger, der mit seinem Bericht über die Versäumisse der vergangenen Regierungen und den entstandenen Anschaffungsstau beim ÖBH von ca. 56 Milliarden Euro Staub aufwirbelte und vermutlich deshalb auf einen Posten abgeschoben wurde, bei dem er nicht mehr in er Öffentlichkeit steht.
Schneeräumung am Mount Hermon mit Hindernissen
Um im Frühjahr so schnell wie möglich wieder mit Versorgungsfahrten auf den Berg zu beginnen, wurde versucht, mit dem Schützenpanzer M113 die bereits geräumte Straße zu verbreitern. Dabei wurde die Schneewächte gerammt, um den kompakten Schnee zu lockern und die Spur zu erweitern. Doch dieses Vorhaben verlief diesmal nicht wie geplant. Die Schneewächte war so hart wie Beton, der Panzer kletterte hinauf und kippte schließlich um. Jetzt lag er auf der Seite.
Die größte Sorge galt dem Fahrer, da der umgefallene Panzer schwankte und jederzeit umkippen konnte. Glücklicherweise hatte sich der Fahrer rechtzeitig ducken können und war im Innenraum in Sicherheit. Er konnte schließlich über die Hecktür aussteigen.
Oberleutnant Klinglhuber, ein erfahrener Pionier, übernahm sofort das Kommando, um den Vorfall unbürokratisch zu klären, ohne viel Aufhebens oder Meldungen nach oben. Seine größte Sorge war, dass der Panzer durch die schräge Lage Feuer fangen könnte. Der M113 besteht aus einer Aluminium-Phosphor-Legierung, um Gewicht zu sparen. Erfahrungen aus Konflikten, an denen der M113 beteiligt war, hatten gezeigt, dass der Panzer, wenn er Feuer fängt, wie Zunder brennt und nur Motor und Ketten übrig bleiben.
Er beorderte einen 680er zum Unglücksort, und mit einem Stahlseil in der richtigen Position wurde der Panzer wieder auf die Ketten gestellt. Abgesehen von einer winzigen Beule war am Panzer kein Schaden entstanden, sodass eine Meldung an das Kommando entfallen konnte. Obwohl niemand über diesen Vorfall sprach und es keine offizielle Meldung gab, gratulierte der Kompaniechef Hauptmann Fritsch Klinglhuber mit den Worten: "Das hast du gut gemacht!" Danach wurde nie wieder ein Wort darüber verloren.
Minenunfall 1981 . Ein Racheakt?
Die Nachricht, die Olt Klinglhuber am frühen Morgen erreichte, war erschreckend und eindeutig: Ein Minenunfall mit einem Pinzgauer. Unverzüglich löste er die Rettungskette aus und raste zum Unfallort. Dort bot sich ihm ein Bild der Zerstörung.
Glück im Unglück hatten der Fahrer und der Beifahrer des Pinzgauers. Es handelte sich um einen 3-Achs-Pinzgauer, der mit der Mittelachse auf die Mine auffuhr. Dies erwies sich als ihr Glück, denn der Pinzgauer machte praktisch einen Vorwärtssalto und landete auf dem Dach. Beide konnten nahezu unverletzt selbstständig aus dem Fahrzeug kriechen und den Notruf absetzen. Abgesehen von einer Verbrennung am Hinterteil des Fahrers blieben sie unverletzt.
Jetzt begann die Ursachenerhebung, die beinahe eine viel schlimmere Katastrophe ausgelöst hätte. Während der Begehung des Unfallortes lief Olt Klinglhuber mehrmals über eine Stelle, an der später eine verdächtige Beobachtung gemacht wurde. Beinahe unsichtbar ragten drei runde, schwarze Stifte mit einem Durchmesser von etwa 3 bis 4 Zentimetern aus dem Sand.
Sofort wurde die Stelle abgesichert und ein polnisches Minensuchteam angefordert. Tatsächlich wurde in unmittelbarer Nähe zum Unfallort eine weitere Mine und Blindgänger gefunden. Der polnische Minenspezialist identifizierte sie als jugoslawische Panzermine, gefüllt mit 4,5 kg TNT und drei Druckzündern, die mit einem Auslösegewicht von nur 15 kg ausgestattet waren. Wäre Klinglhuber auf einen der drei Zünder getreten, hätte er mit Sicherheit die Mine ausgelöst.
Gott sei Dank wurde sie rechtzeitig entdeckt und von den polnischen Spezialisten vor Ort gesprengt.
Die Minen konnten nur mutwillig plaziert worden sein. Vermutet wurde, dass Schmuggler, welche glaubten die UN Truppen wären Schuld, dass einer von ihnen von den Behörden verfolgt wurde, als Rache die Minen verlegten.
Als Konsequenz dieses Vorfalles wurden die Stützpunkte nochmals mit Stacheldraht verstärkt und ab sofort täglich eine Fußpatroille befohlen, bevor die Straße wieder für die Versorgungsfahrten freigegeben wurde.
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1984 sein 2. Einsatz als Duty Officer im Hauptquartier in Damaskus.
Im Jahr 1984 führte der 2. Einsatz Hauptmann Alfred Klinglhuber nach Damaskus, ins Hauptquartier von UNDOF.
Als Duty Officer im HQ umfassten seine Aufgaben ein breites Spektrum. Zusammen mit seinen internationalen Kollegen, sie hatten immer 24 Stunden Dienst, während dieser Zeit koordinierten sie sämtliche Meldungen der UNDOF-Bataillone sowie der UNTSO-Beobachtungsmission. Ihnen standen ein Telefon, ein Funkgerät und ein Fernschreiber zur Verfügung. Alle Vorfälle und Berichte erforderten sofortige Reaktionen und wurden umgehend an die zuständigen Offiziere und nach New York an die Vereinten Nationen gemeldet.
In der Rolle des Duty Officers war man gewissermaßen das "Mädchen für alles" im UNDOF HQ. So kam es auch vor, dass eine vergessene Häkeljacke der Gattin des Force Commanders zurückgeholt werden musste.
Das HQ bot jedoch auch die Möglichkeit, internationale Kontakte zu knüpfen einen Gesamtüberblick über die Mission zu erhalten und Damaskus näher kennenzulernen.
Hauptmann Klinglhuber am seinem Arbeitsplatz im HQ
Die Local Worker des HQ in Damaskus
Ein bisschen Privatspähre im Innenhof des HQ
Selbstverständlich war die HQ Crew auch immer geladen im Camp, wenn es etwas zu feiern gab. Hier am Tisch des damaligen BaonsKdt Obstlt Satter auch der österreichische Botschafter Herbert Grubmayr.
Panorama von Damaskus
Al-Hamidiyeh Souq
Der Al-Hamidiyeh Souq in Damaskus ist ein kilometerlanges Labyrinth, das zahlreiche Entdeckungen bereithält. Hier finden sich Kunsthandwerk, Gold- und Silberschmuck, orientalische Gewürze, Kleidung und vor allem traditionelle Handwerkskunst. Schmiede, Ofenbauer, Tischler und viele andere Handwerker faszinieren die Besucher mit ihren "vorsintflutlichen" Werkzeugen und Fähigkeiten, die Produkte von einer Qualität schaffen, von der manche moderne Betriebe in unseren Breiten nur träumen können.
Jeder, der jemals den Souq von Damaskus besucht hat, ist an diesem Ort vorbeigegangen, ohne es zu wissen. Wer dabei erwischt wurde, ein solches Foto zu machen, wäre verhaftet worden. Nur durch einen Bekannten aus dem syrischen Geheimdienst konnte Klinglhuber diese Aufnahme ohne Konsequenzen anfertigen. Das Bild zeigt das Gefängnis von Damaskus. Das Gefängnis für "normale" Kriminelle. Dies ist nicht zu verwechseln mit dem berüchtigten Militärgefängnis Saidnaya, in dem tausende politisch Verfolgte ihr Leben verloren haben.
In diesem Gefängnis neben dem Souq wurden Kriminelle inhaftiert und weitgehend sich selbst überlassen. Angehörige und Freunde mussten für die Verpflegung sorgen. Man kann sich gut vorstellen, wie die Korruption in diesem Umfeld florierte und wer innerhalb dieser Mauern das Sagen hatte.
Besuch im Flüchtlingslager Jamuk
Das Flüchtlingslager Jamuk wurde 1957 gegründet und beherbergte bis zu 150.000 palästinensische Flüchtlinge. Unter den Präsidenten Hafiz al-Assad und seinem Sohn Baschar hatten die Flüchtlinge rechtlich, mit Ausnahme des Wahlrechts, den gleichen Status wie syrische Staatsbürger. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Flüchtlingslager zu einem eigenen Stadtteil, in dem auch syrische Bürger lebten.
Das Lager war während des Bürgerkriegs betroffen und stand zeitweise unter der Kontrolle des IS. Seit 2018 ist es wieder unter der Kontrolle der neuen Machthaber.
3. Einsatz als stellvertretender Bataillonskommandant 1987/89
Ein besonderes Zeichen für die Miliz
Als erster Miliz Offizier überhaupt wurde der damalige Major Alfred Klinglhuber zum DCO (stellvertretender Bataillonskommandant) des UNDOF AUSBATT bestellt. Er meisterte diese Aufgabe mit Bravour und sollte sogar als Bataillonskommandant zurückkehren. Seine Aufgaben als Bataillonskommandant in der Heimat verhinderten eine abermalige Rückkehr.
Operativ und repräsentativ
Diese Erinnerungen erlauben uns einen kleinen Einblick, hinter die Kulissen des AUSBATT. Neben der operativen Führung des Bataillons und des normalen Tagesgeschäfts in einem Einsatzgebiet gab es auch viele gesellschaftliche und repräsentative Verpflichtungen. Diese Seite sollte allerdings nicht den falschen Eindruck erwecken, dass man als Offizier des AUSBATT nur Gäste empfing und feierte. Über das Leben im Einsatzgebiet und den damit verbundenen Entbehrungen aber auch Freuden gibt es bereits sehr viele Informationen auf dieser Seite. Obstlt a.D. Klinglhuber gewährt uns einen Einblick hinter die Kulissen, abseits des Routinebetriebs, der den meisten verborgen bleib.
Wiederherstellen des Vertauens und des Respektes
Im Jahr 1987, als Major Klinglhuber seinen Dienst als DCO des AUSBATT antrat, bestand eine seiner zentralen Aufgaben darin, das Vertrauen und den Respekt, insbesondere seitens der israelischen Seite, wiederherzustellen. Leider hatten einige maßgebliche Offiziere durch ihr Verhalten, das oft das einer Besatzungsmacht widerspiegelte, viel von der jahrelangen hervorragenden Zusammenarbeit zerstört.
Eines Tages wurde Klinglhuber zu einem Briefing auf die A-Seite eingeladen. Der Vortragende war ein israelischer General, der für die Golan-Höhen zuständig war. Klinglhuber bereitete sich bereits auf eine Standpauke vor, doch zu seiner Überraschung wurde der polnische Vertreter scharf kritisiert. Mit der direkten Frage: "Was macht ihr eigentlich hier?" stellte der General die Leistung des polnischen Kontingents in Frage. Im Gegensatz dazu wurde Klinglhuber und das AUSBATT jedoch mit großem Respekt behandelt. Nach dem Briefing zog der General Klinglhuber in einen kleinen Raum und präsentierte ihm Fotos, die von der israelischen Luftaufklärung aufgenommen wurden und einen Panzergraben zeigten, der angeblich innerhalb der AOS im Zuständigkeitsbereich des AUSBATT lag. Klinglhuber, der Geografie studiert hatte und somit mit Luftaufnahmen und den Perspektivverschiebungen, die aus bestimmten Höhen und Winkeln entstehen, vertraut war, widerlegte die Behauptung mit fundierten Argumenten und präzisen Erklärungen. Der General war beeindruckt. Dennoch versprach Klinglhuber, die Situation vor Ort zu überprüfen und, sollte sich herausstellen, dass tatsächlich ein Panzergraben innerhalb der AOS angelegt worden war, die syrische Seite damit zu konfrontieren und den Graben zuschütten zu lassen.
Wenige Tage später erkundete Klinglhuber die besagte Stelle und stellte zu seiner Überraschung fest, dass zwar nicht am beschriebenen Ort, aber in unmittelbarer Nähe tatsächlich ein Panzergraben ausgehoben worden war, der mit sieben Panzerminen gesichert war. Unverzüglich nahm er Kontakt zur syrischen Seite auf und konfrontierte den syrischen Brigadegeneral mit dieser Tatsache, die einen klaren Verstoß gegen das Abkommen darstellte.
Er wies den General darauf hin, dass die israelische Luftaufklärung den Panzergraben entdeckt hatte und eine sofortige Beseitigung des Grabens erwartete. Wer die Mentalität der Araber kennt, weiß, dass das Aufzeigen eines groben Verstoßes nicht positiv auf die Beziehungen wirkt. Nicht die Israelis sind schuld an der Verstimmung, sondern derjenige, der diesen Missstand anspricht. Klinglhuber, der sich dieser Dynamik bewusst war, hatte jedoch sofort eine Lösung parat, die es dem syrischen General ermöglichte, sein Gesicht zu wahren und unbeschadet aus der Affäre herauszukommen.
Er schlug vor, den Abschnittskommandanten, in dessen Bereich sich der Graben befand, ordentlich zusammenzustauchen und ihm zu befehlen, den Graben sofort zuzuschütten. So konnte der General die Verantwortung abwälzen und sich als Problemlöser präsentieren. Genau so geschah es dann auch.
Major Klinglhuber hat mit diesem diplomatischen Schachzug eine Krise abgewendet und unter Beweis gestellt, dass er die verantwortungsvolle Rolle des DCO des AUSBATT zu Recht innehat. Sowohl die syrische als auch die israelische Seite schätzten seine Bemühungen und betrachteten ihn als Vertrauensperson, mit der sie auf Augenhöhe verhandeln konnten.
Leider fand diese Lösung, vermutlich bei dem kommandierenden Offizier dieses Abschnittes, nicht viel Anklang. Ein Vorfall mit einer Mine kurz nach diesen Ereignissen könnte damit in direktem Zusammenhang stehen.
Rache oder Zufall?
Kurz nach dem Vorfall mit dem Panzergraben ereignete sich auf der Straße zwischen Hadar und Position 17 ein weiterer Minenunfall. Ein Steyr 680, der auf einer Versorgungsfahrt war, fuhr auf eine Panzermine. Glücklicherweise blieb der Fahrer unverletzt, doch der LKW brannte vollständig aus.
Obwohl es nie bewiesen werden konnte, lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine Racheaktion des Abschnittskommandanten handelte, der wegen des illegalen Panzergrabens in Ungnade gefallen war.
Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass der besagte Panzergraben mit sieben Panzerminen gesichert war. Wenn die Annahme einer Racheaktion zutrifft, wo sind dann die anderen sechs Minen? Ist mit weiteren gefährlichen Zwischenfällen zu rechnen ?
Eine freundschaftliche Allianz
Eine freundschaftliche Beziehung entwickelte sich zwischen dem Polizeichef von Tiberias, Teddy Kahn, und Major Klinglhuber. Kahn unterwies den Major in den Gepflogenheiten des Handels mit jüdischen Händlern. "Wenn du bei einem Händler etwas kaufst, frage immer, was er dir schenkt!" Die klare und einleuchtende Antwort auf das "Warum?" lautete: "Du könntest ja auch bei einem anderen Händler einkaufen!" Das klang logisch und erwies sich als effektiv.
Es war Teddy Kahn, der für das AUSBATT ein erschwingliches Haus in Tiberias, das "Tib-Haus", organisierte. Zudem war er dem AUSBATT und besonders Major Klinglhuber stets wohlgesonnen.
Am Bild ist Teddy Kahn mit seiner "etwas" jüngeren Lebensgefährtin
Teddy Kahn mit dem BaonsKdt Obstlt Winkler im Gespräch
Das Tib-Haus, welches Teddy Kahn besorgte und als Anlaufstelle für die Soldaten des AUSBATT diente, welche ihre freien Tage in Tiberias verbrachten
Die Schlangenfresser
In Syrien existierten neben dem regulären Militär verschiedene paramilitärische Einheiten, die hauptsächlich dem Schutz des Regimes dienten. Es fanden sich immer genügend Freiwillige, hauptsächlich aus der alawitischen Bevölkerung, da sie mit verschiedenen Privilegien, wie modernen Wohungen, gutem Gehalt und bester Ausrüstung belohnt wurden. Eine dieser Einheiten, die von Major Klinglhuber besucht wurde, gehörte zur regierenden Baath-Partei. Diese Spezialeinheit nannte sich selbst "Schlangenfresser", ein Name, der ihre besondere Brutalität und ihr Durchhaltevermögen betonen sollte. Während der Vorführung demonstrierten sie ihre Entschlossenheit und gaben ihrem Namen alle Ehre. Sie hatten tatsächlich lebende Schlangen mitgebracht, bissen ihnen den Kopf ab und verspeisten sie roh. Das sie bei dieser Vorführung allerdings mit Holzattrappen mit aufgepflantzten Bajonetten trainierten, war nicht gerade der Beweis für modernste Ausrüstung. Auch die Tatsache, dass Frauen in dieser Einheit dienten, sorgte für Verwunderung – ein eher ungewöhnlicher Anblick in einem arabischen Land.
Medal Parade 26.10.1987
Unter den Augen vieler Ehrengäste meldet Mjr Klinglhuber, als Kommandant der ausgerückten Truppe. dem Force Commander General Major Gustav Welin (Schweden).
Dies war ein großer Tag. Nicht nur der österreichische Staatsfeiertag und die Medal Parade. Auch der Besuch des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Kurt Waldheim stand an.
Anlässlich des hohen Besuchs spielte eine syrische Kapelle auf. Deren Kapellmeister hat in Budapest Musik studiert.
Bundespräsident Dr. Kurt Waldheim auf Truppenbesuch beim AUSBATT
Anlässlich des Staatsfeiertages reiste der Bundespräsident und der Außenminister Dr. Alois Mock mit Gattinnen und eine hochrangige Delegation des Verteidigungsministeriums nach Syrien. Neben dem österreichischen Botschafter und Repräsentanten der verschiedenen Kontingente von UNDOF waren auch hohe Vertreter der syrischen Regierung und des syrischen Militärs zu Gast beim AUSBATT.
Der Bataillonskommandant Oberstleutnant Günther Winkler überreichte dem hohen Gast ein Splitterkreuz.
Der DCO Major Alfred Klinglhuber überreichte ebenfalls ein Splitterkreuz an Außenminister Dr. Alois Mock
Beim traditionellen "Standlmarkt" im Camp ging der Bundespräsident und seine Entourage auf Tuchfüllung mit seinen Soldaten
Weihnachten und Silvester 1987/88
Weihnachten war immer etwas besonderes fern der Heimat.
Aus der Heimat wurden Christbäume eingeflogen damit auf jedem Stützpunkt und auch im Camp ein Baum am 24.12. hell leuchten konnte.
Es kamen auch immer Pakete von den Angehörigen und oft auch Spenden von Organisationen für die Soldaten. Weihnachten 1987 kam so eine Spende von der SPÖ Oberösterreich. Kistenweise frisch geräucherter Speck. Major Alfred Klinglhuber persönlich überwachte die Aufteilung, damit wirklich jeder Soldat ein Stück bekam und der Speck nicht in irgendeiner Messe "verschwand".
Selbstverständlich wurden die Feiertage gebührend gefeiert. Ob auf den Stützpunkten oder im Offiziers-Casino, der Unteroffiziersmesse oder in der Mens-Mess.
Verbindungsaufbau zur Regionalbevölkerung
Eine wichtige Aufgabe von UNDOF bestand darin, mit den regionalen Würdenträgern, oder Vertretern der verschiedenen Volksgruppen, welche im Einsatzgebiet ansässig waren, freundschaftliche Beziehungen herzustellen. Dazu gehörte der direkte Kontakt vor Ort. Wie in arabischen Ländern üblich wurde die Gastfreundschaft groß geschrieben und es wurden immer wieder Delegationen zu Feierlichkeiten oder zwanglosen Treffen geladen.
Bei solchen zwanglosen Treffen wurden immer lokale Spezialitäten aufgetischt. Unter anderem, wie unten auf den Bildern zu sehen, gekochter Schafskopf. Den Gästen wurde die Ehre zuteil, dass Gehirn des Schafskopfes zu verspeisen. Für manche eine zweifelhafte Ehre. Ablehnen wäre eine grobe Beleidigung des Gastgebers. Also Augen zu und durch.
Die Bilder unten zeigen einen besonderen Anlass einer Einladung. Der "Gastgeber" war aus einem Dorf gerade der Blutrache entkommen und in das Dorf Faouar geflohen. Um den Bewohnern von Faouar von der Wichtigikeit ihres neuen Dorfbewohners zu überzeugen organisierte der syrische LO dieses Festmahl im Haus des Geflohenen. Warum dieser so geschützt wurde, darüber kann nur spekuliert werden, aber vermutlich war er ein Spitzel.
Gopher Hole
Bei jeder Rotation wurde die Einsatzfähigkeit des AUSBATT überprüft. Bei dieser "Gopher Hole" genannten Übung gibt es vorgegebene Szenarien und Übungsannahmen welche vom Bataillon durchgeführt werden müssen. Ein Team aus Schiedsrichtern beurteilt wie die Aufgaben erfüllt wurden und beim abschließenden Briefing werden die einzelnen Abläufe durchbesprochen und wenn nötig Verbesserungen ausgearbeitet. Vom BaonKdt bis zum letzten Schützen, alle stehen auf dem Prüfstand.
Major Lenthe (S2/S3) beim Lage Briefing im BaonsKdo. Obstlt Gigler (BaonsKdt) und Mjr Klinglhuber (DCO) voll konzentriert.
Schnell noch eine Zigarette bevor es in den Shelter geht.
BaonsKdt Obstlt Gigler erteilt letzte Befehle
Die schnelle Eingreif - Gruppe ist einsatzbereit. Die EEG war die Verstärkung sollte es auf einem Stützpunkt zu Problemen kommen und mehr Feuerkraft und/oder Sanitätsversorgung von Nöten sein.
Sportliches Kräftemessen: AUSBATT - POLLOG
Neben dem AUSBATT war auch das POLLOG, die Logistikeinheit aus Polen im Camp Faouar stationiert. Neben verschiedenen Logistikaufgaben (Wassertransport), war das polnische Kontingent auch für die Minenräumung in der Zone verantwortlich.
Der Kalte Krieg war noch heiß und Polen gehörte dem Warschauer Pakt an. Obwohl Österreich neutral war, gehörte Polen zum "Feind". Das polnische Kontingent wurde daher immer von sogenannten "Polit-Offizieren" begleitet um eine Verbrüderung mit dem "Feind" zu verhindern,
Um sich näher kennenzulernen und Vertrauen zu bilden wurden immer wieder sportliche Wettkämpfe veranstaltet.
Unter den Augen der Kontingent Kommandanten lieferten sich die Teilnehmer harte, aber faire Wettkämpfe und die Sieger wurden mit Pokalen und Urkunden geehrt.
AUSBATT Marsch
Eine besondere Herausforderung für alle Teilnehmer der AUSBATT Marsch. Diese sehr beliebte aber auch sehr fordernde Veranstaltung ging über 2 Tage. Zu meistern waren rund 45 km und mehr als 2.000 Höhenmeter. Start war in Quneitra, Der Marsch führte durch den gesamten Verantwortungsbereich des AUSBATT und endete am 2. Tag auf dem Gipfel des Mount Hermon auf 2.814 m. Neben Marschierern sämtlicher Kontingente von UNDOF, waren auch Mitstreiter verschiedener Botschaften am Start. Mitten unter ihnen der damalige Force Commander der österreichische Divisionär (heute General Major) Radauer.
Der BaonsKdt ObstLt Gigler und DCO Mjr Klinglhuber gehörten zu den Organisatoren.
Nationalfeiertag in der österreichischen Botschaft
Anlässlich des Nationalfeiertage lud der österreichische Botschafter in seine resident in Damaskus und viele Ehrengäste, unter ihnen der damalige Verteidigungsminister Lichal, folgten seinem Ruf.
Bundesminister Lichal begrüßt Mjr. Klinglhuber. Im Hintergrund der legendäre Pater Edwin
Mjr Klinglhuber mit der Golan Legende Vzlt Werner Zofal
Im Gespräch mit dem deutschen Militärattaché. . Rechts hinten. Vom Dienstgrad her vermutlich der russische Militärattaché.
Frühschoppen beim AUSBATT 28.09.1987
„Die Erinnerungen an die Golan Höhen sind ein unvergesslicher Teil meiner Militärzeit. Es war eine Ehre, dort zu dienen und Teil dieser besonderen Gemeinschaft zu sein.“
Obstlt a.D. Alfred Klinglhuber